
Kapitel · Steuersystem
Einsteuer/ One Tax
Steuern fallen nicht auf Einkommen, Gewinn oder Umsatz an — sondern auf jede Bewegung von Geld. Direkt, automatisch, niedrig. Die Einsteuer ist der Hebel der Existonomy.
Die Einsteuer ist eine winzige Gebühr, die immer dann fällig wird, wenn Geld den Besitzer wechselt. So klein, dass man sie kaum spürt — aber zusammen genug, um Schulen, Straßen und Krankenhäuser zu bezahlen.
Stell dir vor, Steuern zahlen ist wie Trinkgeld geben: ein kleines Dankeschön an die Gemeinschaft, das zusammen Großes möglich macht.
Für Menschen, die ahnen: Das alte Spiel erklärt die Zukunft nicht mehr.
Warum Einsteuer?
Kein Steueroptimierungs-Aufwand
Jeder Transfer wird erfasst. Es gibt keine Schlupflöcher, weil es keine Ausnahmen gibt.
Kein Steueraufschub
Alles ist sofort abgerechnet. Keine Stundung, keine Gestaltung über Zeit.
Erfasst Transfers statt Besitz
Erbschaften, Schenkungen oder Vermögen werden je nach Land schon besteuert. Die Einsteuer fragt einfacher: Wo bewegt sich Geld — auch bei großen Vermögen und an Finanzmärkten?
Drastische Entbürokratisierung
Kein Steuererklärungsdschungel. Keine Lohnsteuerkarten. Keine Voranmeldungen.
Die Formel
Was wir brauchen
Der Steuersatz
Woher das Geld kommt
Klicke auf ein Kuchenstück, um es ein- oder auszuschalten. Der Steuersatz passt sich an.
Die Einsteuer ist eine winzige Steuer auf jede Geldbewegung. Immer wenn Geld den Besitzer wechselt — beim Bezahlen, beim Überweisen, beim Aktienkauf — fällt ein kleiner Betrag ab. Automatisch, direkt bei der Zahlung.
Das klingt radikal. Ist es auch. Aber die Idee dahinter ist einfach: Wenn jede Zahlung einen winzigen Steueranteil trägt, braucht niemand mehr eine Steuererklärung. Kein Papierkram. Kein Warten. Alles ist sofort abgerechnet.
Die Einsteuer erfasst auch Vermögen, wenn es bewegt wird, und Finanzmärkte. Erbschaften und Schenkungen werden in vielen Ländern bereits besteuert — in Spanien sogar regional unterschiedlich. Die Einsteuer setzt anders an: nicht am Besitz und nicht an einzelnen Sonderfällen, sondern an jeder Geldbewegung. Und sie macht das Steuersystem viel einfacher: keine Einkommensteuer, keine Körperschaftsteuer, keine Umsatzsteuer.
Die Idee ist alt. 1936 schlug der Ökonom John Maynard Keynes eine Steuer auf Transaktionen vor, um Spekulation zu bremsen. 1972 machte James Tobin daraus die Tobin-Steuer auf Devisengeschäfte. 1989 stellte Edgar L. Feige die APT-Steuer vor: eine einzige Steuer auf alle Transaktionen, die das ganze Steuersystem ersetzen sollte. Die New York Times nannte den Vorschlag 2003 „fair, einfach und effizient".
Gebhard Borck hat die Idee in drei Punkten weiterentwickelt: Erstens werden nicht nur Finanzgeschäfte besteuert, sondern alle Geldtransfers. Zweitens wird der Steuersatz nicht willkürlich festgelegt, sondern aus dem echten Finanzbedarf des Staates abgeleitet. Drittens ersetzt die Einsteuer nicht eine Steuer, sondern das ganze System.
Der Name „Einsteuer" entstand in Gesprächen. Auf Englisch heißt sie „One Tax". Ältere Texte sprechen noch von KTS (Kapitaltransfersteuer).
Für Deutschland ergibt sich bei Einbeziehung aller drei Schichten ein Steuersatz von rund 0,50 % — also 0,25 % pro Seite.
Kaufst du etwas für 100 €, fallen rund 0,25 € pro Seite an.
Die Einsteuer wird auf drei Ebenen erhoben — den „Schichten". Jede Schicht umfasst einen anderen Teil des Zahlungsverkehrs. Je mehr Schichten dazukommen, desto niedriger wird der Satz — weil sich die Staatsausgaben auf mehr Geld verteilen.
Kundentransaktionen
Alle bargeldlosen Zahlungen von Privatpersonen und Unternehmen über inländische Zahlungsdienstleister. Überweisungen, Lastschriften, Kartenzahlungen, Daueraufträge.
Deutschland: 69,1 Bio. €.
2,9 % gesamt · 1,44 % pro Seite.
Großbetragszahlungen
Interbanken-Zahlungen, Großbeträge, Zentralbankgeld. Das T2/RTGS-System wickelt Zahlungen zwischen Banken ab – Beträge, die nie auf Privatkonten erscheinen.
Deutschland: 299,4 Bio. €.
0,7 % gesamt · 0,33 % pro Seite.
Wertpapierclearing
Abwicklung von Aktien-, Anleihen- und Derivatehandel über T2S und CSDs. Clearstream Frankfurt (CBF) wickelt allein über 100 Billionen Euro pro Jahr ab.
Deutschland: 401,8 Bio. €.
0,50 % gesamt · 0,25 % pro Seite.
Schematisch. Balkenhöhen proportional zum Transaktionsvolumen.
Die Einsteuer wird auf drei Ebenen erhoben — den „Schichten". Jede Schicht umfasst einen anderen Teil des Zahlungsverkehrs. Zusammen decken sie das gesamte Geld einer Volkswirtschaft ab.
Der Steuersatz ergibt sich aus einer einfachen Rechnung: Wie viel Geld braucht der Staat insgesamt — und auf wie viel Geld wird dieser Bedarf verteilt? Der Faktor 1,5 enthält einen Puffer von 50 % für den Übergang, Investitionen und Reserven.
Die Einsteuer ist nicht die erste Transaktionssteuer. Aber sie ist die umfassendste — und die einzige, die das ganze Steuersystem ersetzen will.
| Modell | Satz | Geltungsbereich |
|---|---|---|
| Tobin-Steuer (Original, 1972) | 0,05–1,0 % | Nur grenzüberschreitende Devisentransfers |
| EU-Kommission (Vorschlag 2011) | 0,1 % Aktien / 0,01 % Derivate | Nur bestimmte Finanzinstrumente, EU-weit |
| Frankreich (in Kraft) | 0,2–0,4 % | Bestimmte Aktienkäufe französischer Unternehmen |
| Spanien (in Kraft) | 0,2–0,4 % | Bestimmte Aktienkäufe spanischer Unternehmen |
| Einsteuer / One Tax (Ziel) | ~0,5 % (0,25 % pro Seite) | Alle Geldtransfers, alle Schichten |
Die Einsteuer ersetzt Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer und Sozialabgaben. Aber nicht jede Steuer soll weg. Manche Steuern haben eine andere Aufgabe: Sie sollen Verhalten lenken, nicht den Staat finanzieren.
Diese Lenkungssteuern bleiben bestehen oder kommen hinzu. Sie sind nicht der Kern der Finanzierung, sondern Werkzeuge, die Fehlanreize korrigieren.
Die einfache Unterscheidung: Einsteuer = Finanzierung (ersetzt das heutige System). Lenkungssteuern = Verhalten lenken (bleiben, aber mit klarem Zweck).
Wichtig: Lenkungssteuern finanzieren nicht den Staat. Ihre Einnahmen sind ein Nebeneffekt, nicht der Zweck. Im Idealfall sinken ihre Einnahmen, weil das unerwünschte Verhalten zurückgeht. Die Einsteuer dagegen soll stabile, planbare Einnahmen liefern.
Die Einsteuer ist ein Konzept in Entwicklung. Diese Fragen sind noch offen — sie sind ein Grund, warum wir rechnen, diskutieren und Daten sammeln.
- Doppelzählung in Lieferketten
- Geld zirkuliert mehrfach: Ein Euro kann in einer Lieferkette mehrmals den Besitzer wechseln, bevor er beim Endkunden ankommt. Das erhöht den effektiven Steuersatz. Die Frage ist: Wie oft wechselt Geld tatsächlich den Besitzer — und wann steigt die Belastung dadurch über die heutige Steuerlast?
- Bargeld-Umgehung
- Wer bar zahlt, umgeht die Steuer. In Deutschland ist Bargeld noch weit verbreitet. Eine Einsteuer könnte bei Bargeld einfach verdoppelt oder verdreifacht werden. Auch denkbar: eine Bargeldobergrenze oder ein vollständig digitaler Zahlungsverkehr.
- Internationale Abwanderung
- Ohne globalen Konsens könnten Finanzgeschäfte in Offshore-Finanzplätze verlagert werden. Die Einsteuer funktioniert nur in einem großen Wirtschaftsraum — mindestens EU, besser EU plus Großbritannien, Norwegen, Schweiz. Ob sie Menschen oder Vermögen anzieht, hängt vom Gesamtpaket ab: Einkommensteuer, Sozialabgaben, Erbschaft-, Schenkung- und Vermögensteuern unterscheiden sich stark je Land.
- Liquidität der Finanzmärkte
- Eine Steuer auf jede Transaktion könnte die Marktliquidität senken. Studien deuten darauf hin, dass geringere Liquidität die Preisschwankungen sogar erhöhen kann. Das muss beobachtet werden.
- Belastung der Endkunden
- Finanzinstitute könnten die Steuer in Form höherer Gebühren oder Preise an Verbraucher weiterreichen. Die Frage ist: Um wie viel — und ist das fairer als das heutige System?
Daten und Berechnungen
Die vollständige Excel-Matrix mit allen 30 Ländern, Quellen und der Rechenlogik. Die Datei ist schreibgeschützt – du kannst alle Werte kopieren und weiterverwenden.
Creative Commons BY 4.0 — freie Nutzung, auch kommerziell, unter Namensnennung.
Vergleichsrechner
In Kürze: Ein Rechner, der deine heutige Steuerlast mit der Einsteuer vergleicht. Trag deine Einkommens- und Ausgabedaten ein und sieh, ob du mit der Einsteuer besser oder schlechter gestellt wärst. Der Rechner nutzt nur die nackten Zahlen für die statistische Auswertung – keine personenbezogenen Daten.